Sie können einem leidtun. Denn die Begeisterung von Jule und Otto für ihre neue Wohnung bekommt schon in der ersten Nacht einen Dämpfer: Laute Musik dröhnt aus dem Obergeschoss an die Ohren der todmüden Mieter. Es soll noch schlimmer kommen in der Komödie „Vun baben daal“, zu sehen im Theater am Wilhelmplatz.
vom 24.03.2026 aus der Redaktion der Kieler Nachrichten
von SABINE THOLUND, Foto: Imke Noack
Kiel. (…) Zunächst bringen die beiden Alt-Hippies die jungen Leuten, die so gar nichts Wildes an sich haben, mit lauter Musik bis in die frühen Morgenstunden um den Schlaf, um sich schließlich mit ungewöhnlichem Interesse nach und nach in deren Leben zu zecken.
Unbedingter Enkelwunsch
Es dauert nicht lange, bis Leo die Katze aus dem Sack lässt: Da ihre Ehe kinderlos geblieben ist, erhoffen Agathe und er sich von dem jungen Paar baldigen Nachwuchs, für den sie die Großeltern spielen wollen.
Das klingt vordergründig lustig und das Publikum hatte an der pointierten Inszenierung von Karl-Heinz Langer auch zu Recht seinen Spaß. Die Übergriffigkeit der beiden Alten, die ihren Opfern irgendwann eine komplette Baby-Erstausstattung in die Wohnung stellen und sich anschicken, deren zögerliches Liebesleben durch ein Loch in der Zimmerdecke zu überwachen (Bühne: Annedore Hedde-Schürmann), trägt jedoch durchaus erschreckende Züge.
Lustig oder übergriffig?
Wie sehr ihr anfängliches Befremden in handfestes Entsetzen umschlägt, ist im sehenswerten Minenspiel von Jule alias Sofie Köhler abzulesen, die sich sogar traut, lauthals gegen die Belagerung aufzubegehren. Ihr Mann (Fabian Neumann), der über das Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen einer Maus verfügt, verkriecht sich aus Verzweiflung gern unter der Bettdecke oder sucht schluchzend Trost an der starken Schulter seiner Frau.
Ausrichten können indes beide nichts gegen den gleichermaßen verspäteten wie vorauseilenden Brutpflegetrieb der Oldies. Ulli Thode und Sabine Alipour zeigen zwei charmant-schräge Vögel als eingeschworenes Paar. Wild entschlossen, in der eigenen Jugend Versäumtes durch die Kaperung fremden Lebens nachzuholen, lassen sie sich nicht abschütteln. Verdienter Applaus.
KN
Lesen Sie den ganzen Artikel, veröffentlicht: Dienstag, 24.03.2026 in den Kieler Nachrichten.

