Premiere „Kole witte Mann (Kalter weißer Mann)“: Kein Gendern vorm Aschpott

nbkiel-adminIn der Presse, Kieler Nachrichten

Die Asche des toten Chefs ist noch nicht ganz kalt, da streiten sich die Angestellten im Stück „Kole witte Mann (Kalter weißer Mann)“ des Erfolgsduos Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob schon. An der Niederdeutschen Bühne Kiel feierte die satirisch pointierte Komödie jetzt Premiere. Wie lief es?

vom 22.02.2026 aus der Redaktion der Kieler Nachrichten

von BEATE JÄNICKE, Foto: Imke Noack

Kiel. Hochglänzend thront der „Aschpott“ – plattdeutsch für Urne – vor den bunten Kirchenfenstern. Im Mittelpunkt wird der verstorbene Gernot Steinfels, Chef einer Unterwäschefirma, aber bei seiner eigenen Trauerfeier nicht stehen. Denn die gerät alles andere als pietätvoll. Mit „Kole witte Mann (Kalter weißer Mann)“ des Autorenduos Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (niederdeutsch: Rolf Petersen) hebt die Niederdeutsche Bühne Kiel eine aktuell viel gespielte satirische Komödie in ihr Programm.

(…) Der stellvertretende Geschäftsführer Bohne („Das ‚stellvertretend‘ können Sie streichen!“) sieht sich schon als neuer Firmenboss. Ingo Büchmann gibt überzeugend das in die Jahre gekommene Alpha-Männchen. Widerspruch putzt sein Silberrücken Bohne einfach weg.

Satirisch verpackt: der Umgang mit Gendersprache, Rassismus, Sexismus

Und verprellt damit der Reihe nach das gesamte übrige Team. Angefangen mit der jungdynamischen Marketing-Leiterin Alina Bergreiter, die ebenfalls Ambitionen auf den Chefsessel hat (schön ambivalent: Britta Poggensee). Immer in ihrem Schlepptau: der Social-Media-Experte Kevin, den Sven Bohde als leicht erschütterbaren Softie spielt. Ja, sogar die grundnaive, langjährige Sekretärin Rieke, die Heike Börgert mit viel Witz und Warmherzigkeit ausstattet, bringt Bohne gegen sich auf.

Der Stein des Anstoßes ist die Aufschrift „Deine Mitarbeiter“ auf der Kranzschleife. „Fehlt da ein Komma?“, ereifert sich Bohne. „Nein, ein Geschlecht!“, kontert Alina Bergreiter. Wo bleiben die Mitarbeiterinnen?„Pimmelig“ findet die rotzige Praktikantin Kim (Mia Urmersbach) die verpönte Schleife. Der Pastor (Michael Schmidt) rollt mit den Augen. Dem Autorenduo Jacobs und Netenjakob gelingt es im Stück „Kalter weißer Mann“, Aufregerthemen wie Gendersprache, Alltagsrassismus, Sexismus und kulturelle Aneignung satirisch pointiert in einem Bühnenstück zu bündeln.

Regisseur Jörg Diekneite und sein Ensemble liefern eine spritzige, hochunterhaltsame Inszenierung ab. Im stilecht als Kirche geschmücktem Saal und mit einer echten Choreinlage (KielStimmig) wird lustvoll mit Klischees hantiert, und alle bekommen ironische Breitseiten ab. Aber die Figuren gerinnen nicht zu Karikaturen, sondern bleiben lebendig. Langer, verdienter Applaus.

KN

Lesen Sie den ganzen Artikel, veröffentlicht: Sonntag, 22.02.2026 in den Kieler Nachrichten.


Tickets für die Vorstellungen sind beim theaterKIEL erhältlich, online, im Opern- und im Schauspielhaus oder telefonisch unter (0431) 901 901 sowie an der Abendkasse im Theater am Wilhelmplatz ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Übrigens – das tolle Frauen-Ensemble KielStimmig finden Sie hier: https://kielstimmig.jimdosite.com/.

weitere Aufführungen:

Fr, 27.02.2026 19:00 Uhr
Sa, 28.02.2026 18:00 Uhr
So, 01.03.2026 18:00 Uhr

Do, 05.03.2026 19:00 Uhr
Fr, 06.03.2026 19:00 Uhr
Sa, 07.03.2026 18:00 Uhr
So, 08.03.2026 18:00 Uhr

Fr, 13.03.2026 19:00 Uhr
Sa, 14.03.2026 18:00 Uhr
So, 15.03.2026 18:00 Uhr

Fr, 05.06.2026 19:00 Uhr
Sa, 06.06.2026 18:00 Uhr
So, 07.06.2026 18:00 Uhr

KOLE WITTE MANN