Der Warnhinweis der Niederdeutschen Bühne Kiel passt in die Halloween-Zeit: Unerwartete Schockmomente und extreme Soundeffekte hält die Krimikomödie „Dat kole Grusen“ bereit. Es gibt aber auch immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Eine Mischung, die beim Premierenpublikum bestens ankommt.
vom 18.10.2026 aus der Redaktion der Kieler Nachrichten
von SABINE THOlUND, Foto: Imke Noack
Kiel. Eigentlich könnte Jana so glücklich sein. Frisch entlassen aus einer psychiatrischen Klinik, freut sie sich, wieder bei ihrem Mann zu sein. Der wartet allerdings mit einer Überraschung auf, die bei seiner Frau nur mäßige Begeisterung auslöst: Zur „Erholung“ verfrachtet er die eingefleischte Städterin aufs Land – in ein altes Haus irgendwo im Nirgendwo.
Außer ihrem Mann Dirk sieht Jana da nur den benachbarten Bauern, der ab und zu Obst und Gemüse vorbeibringt. Außer Lebensmitteln hat Georg aber auch jede Menge schaurige Geschichten über das alte Haus im Gepäck, die bei der psychisch labilen Rekonvaleszentin starken Eindruck machen. Und dann kommt auch noch Dirks Schwester Laura zu Besuch, die Jana überhaupt nicht leiden kann.
Wechsel zwischen gruseligen und komischen Momente
Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass es nichts werden kann mit der Erholung für Jana. Hoch geht es her in Peter Colleys Krimikomödie „Dat kole Grusen – Ik bün trüch bit Middernacht“ (nddt. von Heino Buerhoop), die Karen Dietmair mit Gespür für Timing und Tempo und einem munter aufspielenden Ensemble im Theater am Wilhelmplatz inszeniert hat.
Rechtzeitig zu Halloween darf sich hier tüchtig gegruselt werden, wenn die arme Jana von ihrer hinterhältigen Sippschaft mit fiesen Tricks um den Verstand gebracht werden soll. Zwischen perfiden Täuschungsmanövern und buchstäblichen Knalleffekten gibt es jedoch auch immer wieder Anlass zum Schmunzeln, und die geschickt platzierten Gags verleihen der Inszenierung Charme.
Das stimmige Bühnenbild von Ricarda Toppke zeigt ein muffiges Wohnzimmer, vollgestellt mit ausgesucht scheußlichen Möbeln. Draußen pfeift hörbar der Wind, aber der eiserne Ofen ist unbeheizbar. Und so muss der Mantel eben anbleiben, den Lian Malene Alipour alias Jana sich fröstelnd immer enger um den Körper zieht.
Erst arglos und schließlich voller Angst
Hilflos ausgesetzt einem wahren Trommelfeuer aus vermeintlicher Fürsorglichkeit der Schwägerin (herrlich intrigant: Silke Broxtermann) und haarsträubenden Spukgeschichten des Nachbarn (liebenswert: Jörn Bargmann), wandelt sich ihre anfängliche Arg- und Ahnungslosigkeit zunächst in Misstrauen und schließlich in nackte Angst. Irgendwann zielt sie mit einem Gewehr auf ihren liebenden Gatten, dessen charakterliche Untiefen Toby Möller mit sehenswerter Beiläufigkeit auslotet.
Doch das ist noch lange nicht das Ende dieser unterhaltsamen Inszenierung, die zur Premiere am Samstag mit viel Applaus bedacht wurde. Wie die Geschichte ausgeht, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
KN
Lesen Sie den ganzen Artikel, veröffentlicht: Sonntag, 18.10.2026 in den Kieler Nachrichten.
Tickets für die Vorstellungen sind beim theaterKIEL erhältlich, online, im Opern- und im Schauspielhaus oder telefonisch unter (0431) 901 901 sowie an der Abendkasse im Theater am Wilhelmplatz ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
weitere Aufführungen:
Fr, 23.10.2026 19:00 Uhr
Sa, 24.10.2026 18:00 Uhr
So, 25.10.2026 18:00 Uhr
Do, 29.10.2026 19:00 Uhr
Fr, 30.10.2026 19:00 Uhr
Sa, 31.10.2026 18:00 Uhr
So, 01.11.2026 18:00 Uhr
Fr, 06.11.2026 19:00 Uhr
Sa, 07.11.2026 18:00 Uhr
So, 08.11.2026 18:00 Uhr
Fr, 13.11.2026 19:00 Uhr
Sa, 14.11.2026 18:00 Uhr
So, 15.11.2026 18:00 Uhr

