Alles nur Theater: Fußball, Freunde, Frauen

nbkiel-admin In der Presse, shz.de

Die Niederdeutsche Bühne gewährt mit der Komödie „Fründschaftsspill“ tiefe Einblick ins Liebesleben. Der Fünfer-Freundschaftskreis ist auf vielen Wegen miteinander verbandelt. Doch es bleibt genügend Raum für Geheimnisse. – Quelle: https://www.shz.de/22270722 ©2019

Vom 15.01.2019 aus der Redaktion des shz

Wie das Leben eben so spielt: Langjährige Männer-Freundschaften drohen zu zerbrechen, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht. Um Fußball etwa oder um Frauen. Das zeigt aktuell die Niederdeutsche Bühne Kiel mit ihrer launigen Komödie unter dem mehrdeutigen Titel „Fründschaftsspill“ (Freundschaftsspiel).

Jeder Akt beginnt mit einer Trillerpfeife. Auf dem Feld, pardon: auf der Bühne, verkörpert Hauptschullehrer Robbi (gespielt von Christian Fricke) den unbeirrten leidenschaftlichen Fußballanhänger, der mit seinem Verein durch dick und dünn geht. Als Werder-Bremen-Fan hat er für Konkurrenten wenig mehr als Verachtung übrig. Für den „HS flau“ etwa, der den Fußball doch nur verkauft, während Werder ihn lebt und spielt. Folglich gerät Robbi ständig mit Leon (Harry Tobinski-Ahrens) aneinander, Architekt und typischer Vertreter der HSV-Edelfans.

Dritter im Bunde ist Bernd (Harald Fiedler), Streitschlichter und Frauen-Versteher. Er steckt im Zwiespalt. Ehefrau Babs (Sabine Alipour) wünscht sich unbedingt ein drittes Kind, doch Bernd verweigert den finalen Schuss. Babs’ Freundin Romy (Manuela Reimers) wiederum bittet ihn um eine höchst vertrauliche Samengabe, weil der eigene Ehemann Leon offenbar unfruchtbar ist, dies aber nicht eingestehen will. „Denn mok mi een Kind“, fleht Romy ihren alten Jugendfreund an.

Es kommt, wie es kommen muss. Romy wird schwanger, ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt, als Leon vom Arzt die Wahrheit über seine Zeugungsunfähigkeit erfährt. Er kann also gar nicht der Vater des ungeborenen Babys sein. Ins Fußball-Deutsch übertragen heißt das: Die Spieler halten sich nicht an die Taktik des Trainers. Sie spielen stattdessen einfach wild drauf los, reißen die Flanke auf, stoßen in die Mitte vor – und was die erotisch besetzte Fußballsprache alles noch zu bieten hat.

Die Aufführung ist zwar, sportlich betrachtet, nicht ganz auf dem Laufenden, weil sie von Begegnungen der Bremer mit dem HSV, mit Bochum oder Kaiserslautern spricht – diese Mannschaften kicken aber mittlerweile in drei verschiedenen Ligen. Doch es ist höchst vergnüglich, den fünf Strategen auf der Bühne unter der Regie von Manfred Kaack beim Kampf um das runde Leder und das sperrige Leben zuzuschauen.

Kleine Notiz am Rande: Den Werder-Fan haben die Niederdeutschen mit Vereinsrequisiten ausstatten können, beim HSV-Anhänger gelang dies bisher noch nicht. Schal, Trikot und Käppi mit der berühmten Raute werden dringend gesucht. Leihweise, versteht sich.

Von Udo Carstens
©2019

Artikel veröffentlicht: Dienstag, 15.01.2019 18:46 Uhr
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Foto: Imke Noack