Umjubelte Premiere von „Männerhort“

nbkiel-admin In der Presse, Kieler Nachrichten

Vom 07.05.2018 aus der Redaktion der Kieler Nachrichten

Kiel. Das Ding ist längst ein Klassiker, wirkt aber heute in der von sozialen Medien, Genderwahn, und Konsum überfluteten Gesellschaft relevanter denn je. Und damit umso komischer. Die Rede ist von dem „herrlichen“ Stück Männerhort von Kristof Magnusson, das am Freitag im ausverkauften Theater am Wilhelmplatz seine umjubelte Premiere feierte.

Männerhort – Een Platz för Keerls in der niederdeutschen Bearbeitung von Arne Christophersen ist und bleibt ein Boulevard-Stück der Extraklasse und wurde bereits erfolgreich verfilmt. Wohl ein Grund, weswegen Regisseurin Alexandra E. Kruse richtigerweise nicht zu sehr daran herumgedeutelt hat. Seit 2008 ist Kruse an der niederdeutschen Bühne Kiel im Einsatz und mit ihren Bearbeitungen der Weihnachtsmärchen aus dem hiesigen Kulturbetrieb kaum wegzudenken.

Vier eigentlich gestandene Mannsbilder verkriechen sich jeden Sonnabend im Heizungskeller eines Einkaufszentrums, dekorieren das Verlies mit Mannschaftstrikots (von Holstein Kiel bis Bayern München) und einer Dartscheibe, stecken einen alten Bügel als Antenne in den kleinen Röhrenfernseher, um in Ruhe Fußball zu schauen, während ihre Frauen einige Stockwerke höher offenbar „Shopping Queen“ nachspielen (Bühne: Rainer Kühn). Dazu gibt’s natürlich Dosenbier und Pizza. Klischees? Na klar! Aber eben dieses offensichtliche, unverkrampfte Spiel mit den Rollenmustern machte das Stück seit seiner Uraufführung 2003 zu einem Kassenschlager an vielen deutschen Bühnen.

Auf dem Platz standen an diesem Abend aber nicht unsere Helden am Ball, sondern von einem tollen Ensemble verkörperte Figuren, die eigentlich permanent die Hosen voll haben und ihre Unsicherheit mit Notlügen, Übertreibungen und gockelhaftem Gehabe zu kaschieren versuchen. Helmut (Andreas Oswald), eigentlich Pilot, aber leider entlassen, der nerdige Software Entwickler Eroll (Harry Tobinski-Ahrens), die chauvinistische aber eigentlich lächerliche Unternehmens-Führungskraft Lars (Christian Fricke) und der Sicherheitsbeauftragte des Kaufhauses Martin (Harald Fiedler). Sie alle machen ein Riesenfass auf, dessen Inhalt nur dünne Plörre ist. Die Inszenierung indes ist echte, ehrliche Hausmannskost.

Von Thomas Richter
Artikel veröffentlicht: Montag, 07.05.2018 in den Kieler Nachrichten
Foto: Cynthia Rennenberg (v. li.: Harald Fiedler, Harry Tobinski-Ahrens, Andreas Oswald und Christian Fricke)